Film Kritik: Gangster Squad

© Warner Bros.

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Eigentlich hatte ich mich auf diesen Film gar nicht besonders gefreut. Zwar war eine News zu Gangster Squad dasjenige, was mir Mitte 2011 ein Praktikum bei moviepilot verschaffte, aber sonst hatte ich keinerlei Assoziationen damit. Der Trailer wirkte schlicht und ergreifend nicht bei mir. Aber was solls: Emma Stone für mich, Ryan Gosling für meine Freundin (und ein bisschen auch umgekehrt), also Kinokarte gekauft und gestaunt, denn der Mangel am Besonderen ist das Extraordinäre an Gangster Squad.

Gangster Squad ist die fiktionale Version einer wahren Geschichte um eine geheime und außerhalb des Rechts arbeitende Polizeieinheit des LAPD der 1940er und -50er-Jahre. Los Angeles wird vom teuflischen Gangsterboss Mickey Cohen (Sean Penn) beherrscht, der das LAPD zu großen Teilen geschmiert hat und nur noch einen großen Coup von der Herrschaft über die gesamte Ostküste entfernt ist. Polizeichef Bill Parker (Nick Nolte) beauftragt also den unbeugsamen und idealistischen Cop John O’Mara (Josh Brolin), eine Geheimtruppe zu bilden, die Cohens Operationen sabotiert. Genau das tut O’Mara und wischt dem vor Wut tobenden Cohen mit seinen auf verschiedenen Gebieten spezialisierten Freunden kontinuierlich eins aus. Pech nur, dass Cohen nicht auf den Kopf gefallen ist: Natürlich handelt es sich bei den Saboteuren nicht um eine konkurrierende Gang, sondern um Cops. Und dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis er herausfindet, um welche Cops es sich handelt.

Genau so, wie ein Actionfilm heutzutage entweder „realistisch“ oder selbstironisch sein muss, habe ich Gangster Squad zu gewissen Teilen als anspielungsreiche Hommage und Persiflage des Hardboiled-Genres erwartet. Manchmal ist es das auch, wenn der erste Coup des Squads katastrophal schiefgeht und daraufhin sogar noch die Flucht aus dem Gefängnis ein reiner Glücksfall bleibt. Aber solche Umkehrungen der normalen Schemata sind in Gangster Squad äußerst selten, beschränken sich manchmal sogar auf ironisch angehauchte Schnitte, wenn etwa ein Mann mit einem Bohrer bearbeitet wird und im nächsten Moment ein Burger auf den Grill fliegt. Bis auf solche Ausnahmen ist Gangster Squad keiner dieser schlauen, postmodernen Filme.

Sogar das Gegenteil. Eine Kritik ihres vigilanten Vorgehens flackert nur ein, zwei mal kurz auf. Diese außerhalb des Rechts arbeitenden Selbstjustizler werden nicht einmal auf einer Meta-Ebene wirklich hinterfragt. Bei diesen Männern handelt es sich um amerikanische Helden. Gerade Josh Brolin ist der Prototyp des No-Nonsense-Polizisten, der sich für niemanden bückt und dessen stahlharter Kiefer so viel Respekt einflößt, wie eine Faust ins Gesicht. Ryan Gosling spielt sein feinfühligeres Ebenbild, Emma Stone die (durchaus selbstbewusste) Jungfrau in Nöten, Sean Penn ist der Teufel, aber es gibt auch den alles treffenden Cowboy (gespielt von T-1000 Robert Patrick), seinen lerneifrigen Partner/Schüler Ramirez (Michael Peña), den teils an Blaxploitation erinnernden farbigen Detective (Anthony Mackie) oder das leise sprechende Genie (Giovanni Ribisi). Alle kommen mit denen für ihre Stereotypen gängigen Plots daher.

Allein aufgrund der Geschichte wäre Gangster Squad also furchtbar langweilig geworden. Es ist aber gerade dieses naive Einstehen für solche Stereotypen, das mich an Gangster Squad so faszinierte. Der Film will nicht smart und cool sein, auch keine Hommage an alte Hardboiled-Geschichten, sondern wirklich eine Hardboiled-Geschichte sein (wenn auch mit wahrer Grundlage). Die uralten Klapperautos ballern mit der Wucht eines Kometen über die Straßen, die Tommy-Guns hören sich an wie tausend Hammerschläge auf den Kopf und ein Faustschlag ist das Ende der Welt. Die Soundkulisse in Gangster Squad funktioniert. Genau so wie die Garderobe, denn alle Mitglieder des Squad haben wirklich Schneid, während Sean Penns dämonisch-rotzige Darbietung durch seinen etwas schlampigen Kleidungsstil hochpotenziert wird. Nun, und die Tatsache, dass er zu Beginn des Films einen Mann mit zwei Autos auseinanderreißen lässt. Überhaupt hat Ruben Fleischer, den ich vorher nur durch Zombieland kannte, echtes Talent für die Schauspielerauswahl bewiesen: So ziemlich jeder der Akteure passt perfekt in seine Rolle, darunter insbesondere Josh Brolin und Sean Penn als polare Gegensätze.

Production Design und Cast von Gangster Squad sind also so effizient, dass ich die meilenweit vorhersehbaren Plotwendungen verzeihen und sogar begeistert herbeifiebern konnte. Genauso wie sein Protagonist steht Gangster Squad gnadenlos für sich ein. Selbstreflexiv bleibt der Film aber trotzdem, wenn zum Beispiel der nächtliche Test einer neuen Rakete über Vorstadtgebiet von allen Bewohnern bestaunt wird, wie das Kommen eines neuen Gottes. Gangster Squad spielt in einer anderen Zeit, mit anderen Sensibilitäten und lässt uns dies wissen. Gangster Squad ist Eskapismus par excellence, in einer Zeit, in der nicht mehr nur ganz körperliche Mickey Cohens die Welt zerstören, sondern auch ungreifbare Super-Korporationen. Ein Faustschlag kann in dieser Welt nicht mehr besonders viel verändern. Verdammt unterhaltsam bleibt er aber trotzdem.

 

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