Film Kritik: The Dark Knight Rises

© Warner Brothers

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Mit Batman Begins und The Dark Knight hat Christopher Nolan (Inception) eine Interpretation des Dunklen Ritters geschaffen, die sowohl Comicfans und Normalsterbliche weitestgehend zufriedenstellte. Trotzdem könnte diese Kritik zu The Dark Knight Rises auch „Das hätte Nolan anders machen müssen“ heißen.

Er ist der größte Filmemacher aller Zeiten und hat die größten und besten Superheldenfilme aller Zeiten geschaffen. Naja. Auf dieser Aussage klebt wohl eine gehörige Schicht Hype. Aber die Batman-Filme von Christopher Nolan befriedigten einen großen Teil des Publikums und riefen eine fast schon militante Fanbasis auf den Plan. Dennoch fielen die Kritiken zu The Dark Knight Rises gemischt aus. Mir kam es vor, als hätte der inzwischen gottgleiche Heath Ledger – Joker das Franchise derart aufgeblasen, dass es im dritten Teil einfach implodieren musste. Obwohl The Dark Knight Rises keine Katastrophe ist, ist er unfreiwillig witzig und hat mit einem Plot-Wust zu kämpfen, der anders besser bewältigt worden wäre.  Achtung, NICHT SPOILERFREI!

Zu viele Schurken

R’as al Ghul (Liam Neeson) scheint einer der favorisierten Schurken von Christopher Nolan zu sein. In Batman Begins war er der Hauptbösewicht und auch in The Dark Knight Rises spielt sein Erbe noch eine gewichtige Rolle. Aber dieses Erbe ist auf zu viele Personen verteilt. Es entfaltet sich ein Plot, der so konfus und teils wie aus dem Hinterteil gezogen wirkt, dass ich mir mehr als nur einmal an den Kopf fassen musste. Wahrscheinlich hätte sogar M. Night Shyamalan sich für so einen Twist geschämt. Bane (Tom Hardy) ist nur ein Handlanger von Talia al Ghul? In dem Moment verliert er all seine Bedrohlichkeit. Seine anarchistischen Pläne, seine gesamte Genialität ist nur eine Front für den langweiligen Kabumm-Plan von Miranda Tate/Talia (Marion Cotillard). An sich kein Problem, sofern diese Extraschicht Dramatik etwas Gewicht beitzt. Aber nein, Bane wird fast sofort erschossen und Talia stirbt ebenso nur Minuten später, weil ihr Truck eine Ebene nach unten kracht. „Superschurkin“, meine Damen und Herren.

So hätte es auch laufen können: Bane ist ein genialer, mit Anabolika vollgepumpter Verbrecher, der nach Gotham kommt, um sich ein Verbrechensimperium aufzubauen. Motivation genug. Er bricht Batman das Rückgrat. Gleichzeitig kommt Talia al Ghul nach Gotham, die in den Comics bekanntermaßen immer mal wieder eine Geliebte des Dunklen Ritters war. Sie will Batman einerseits auf die dunkle Seite ziehen, ihn andererseits aber auch beschützen. Sie hilft ihm bei der Rehabilitation.

Gleichzeitig führt Bruce Wayne den Cop John „Robin“ Blake in die Finessen des Vigilantismus ein und überlässt ihm für einige Zeit das Batman-Kostüm. Am Ende gibt es einen Showdown zwischen Bane und den beiden Batmen. Talia hat natürlich auch Kohlen im Feuer und Bruce Wayne hat wirkliche Schwierigkeiten damit, sie aufzuhalten. Es fordert seine Moral und seinen Charakter heraus. Auf diese Weise wäre keine Atombombe nötig gewesen. Bane hätte nichts mit der League of Shadows und Talia zu tun haben müssen. Bane ist die körperliche, Talia die seelische Prüfung, aus der der Dunkle Ritter siegreich hervorgeht, die ihn aber zur endgültigen Weitergabe der Fackel zwingt. Ich bin kein Hollywood-Auteur, aber diesen Plot-Ablauf finde ich harmonischer.

Einfach…zuviel

Christopher Nolan wollte anscheinend alles zuendebringen, was in den ersten beiden Filmen begonnen wurde. Natürlich braucht auch Alfred (Michael Caine) dann eine eigene kleine Geschichte. Doch das würde noch mehr Platz wegnehmen, also taucht er nur am Anfang und am Ende auf. Alfred hängt so sehr mit Bruce Wayne/Batman zusammen, dass mir das schon wie eine Sünde erschien. Die Symbolik ist klar: Die Vaterfigur verschwindet, deswegen muss Batman seinen eigenen Weg finden. Doch der Konflikt mit Alfred fühlt sich, wie leider vieles in diesem Film, ein Quäntchen zu forciert an. Das gilt auch für den ultimativen Plan von Bane.

Schon der Joker war in The Dark Knight sehr an soziologischen Experimenten interessiert. Bane geht noch eine Stufe höher und nimmt sich ganz Gotham zum Labor. Die ganze Insel ist fortan ein anarchistischer Spielplatz, auf dem vor allem die Kriminellen die Befehlshoheit haben. Die Arm/Reich-Dichotomie dominiert mit ihrem bitteren Occupy-Nachgeschmack viele Dialoge Banes, ist aber im Angesicht des Twists nur eine Fassade. Ein wenig wirkt es so, als hätte der nachdenkliche Christopher Nolan unbedingt einen nachdenklichen Plot gebraucht und keinen anderen Platz für ihn gefunden. Ein realweltlicher Bezug kann schön sein, aber wirklich nötig war er in The Dark Knight Rises nicht. Bane ist kein Symbol für sozioökonomische Probleme. Warum wurde kein anderer Schurke für diese Rolle eingesetzt?

Alfred, Selina Kyle/Catwoman, Miranda Tate/Talia Al Ghul, John Blake, Bane, Commissioner Gordon, Kapitalismuskritik. All das sind abzuarbeitende Meilensteine in dem Nolanschen Epos The Dark Knight Rises, die kaum ihren nötigen Respekt bekommen. Trotz Überlänge stellt sich also ein gewisses Gefühl von Eile ein. So manche Entscheidung in TDKR wirkt wie aus dem Bauch heraus getroffen, so manche Figur nur um ihres Namens willen hereingequetscht. Am Ende brauchte es dann einen atomaren MacGuffin sowie Banes hanebüchenen Ninja-Hintergrund, um alles zusammenzuhalten.

Meckern auf hohem Niveau

Das tue ich, ganz klar. Trotz der von mir aufgezählten Mankos, die Anderen vielleicht gar nicht so sehr auffallen, hat The Dark Knight Rises einige Stärken, die den Film qualitativ über das Mittelfeld der Superheldenfilme hebt. Tom Hardy ist eine dieser Stärken. Trotz seiner Sean Connery – Stimme ist seine Darbietung eine der intensivsten im ganzen Film. Sein intellektuelles Muskel-Monstrum Bane macht wirklich Angst, gerade weil es teilweise doch zum Lachen anregt. Christian Bale brummelt sich tapfer auch durch den dritten Teil der Batman-Trilogie, sogar Anne Hathaway nervt nicht, sondern überzeugt wider meine Erwartungen als goldherzige Femme Fatale Selina Kyle. Und auch Joseph Gordon-Levitt spielte solide, selbst, wenn Nolan anscheinend nicht genau wusste, wohin er mit dem jungen John Blake jenseits der Fackelweitergabe gehen sollte.

Wie immer überzeugen die epischen Bilder von Kameravirtuose Wally Pfister und auch die bombastischen, immer einheitlichen Klänge von Hans Zimmer zeigen uns ebenso zielgenau die Emotionen, die wir an den entsprechenden Stellen empfinden sollen. Für Blockbuster-Liebhaber ist The Dark Knight Rises in der Tat großes Kino. Der Film macht Spaß, erzeugt Spannung und schlägt die richtigen Noten an. Nolan liefert ab, aber ein wenig zu routiniert. Das Quäntchen Kult, das The Dark Knight allem Anschein nach unerreichbar macht, fehlt dem Abschluss der Reihe. In der Trilogie nimmt The Dark Knight Rises nach Batman Begins für mich also den letzten Platz ein. In einer generell hochwertigen Trilogie muss das aber nichts Schlechtes heißen.

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2 Kommentare

  1. Hey Ex-Kollege Malte! Schöne Besprechung von Batman – bin genau der gleichen Meinung. Der tolle Bane und das simple und effektive Konzept aus Knightfall (eine mit Drogen vollgepunmpte mechanistisch-intellektuelle Nemesis mit mythischer Unabhängigkeit) macht Nolan sich völlig kaputt, um mal wieder seinen perfiden Frauenhass in die gute Cotillard zu packen. Dabei ist die Idee mit dem dunklen Loch aus dem Bane kriecht so herrlich. Anne Hathaway fand ich auch erstaunlich cool. Hast du schon was von den New 52 Comics gelesen? habe gerade den Grant Morrison #1 Superman gelesen und bin voller gemischter gefühle.

  2. Ah, das ist ja ne Überraschung! Sollte hier regelmäßiger schreiben, dann fällt mir auch mal auf, wenn hier was gepostet wird. Ja, bei den New 52 war ich natürlich von Anfang an dabei. Grant Morrisons Superman ist natürlich Geschmackssache. Aber mit dem Konzept wollte er zurück zu Supermans antikapitalistischen Wurzeln, die Jerry Siegel und Joe Shuster in der ersten Ausgabe von Action Comics damals auch beabsichtigt hatten. Es passt, ist aber natürlich nicht der seit den 50ern bekannte Superman. Das entwickelt sich aber noch. Action Comics behandelt ja nur die Vorgeschichte. Wenn du was wirklich gutes lesen willst, musst du bei den New 52 aber die Seitenwege nutzen. Animal Man und Swamp Thing sind mit Abstand das Beste des Reboots, dicht gefolgt von Aquaman und Wonder Woman.

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