Comic Kritik: Batman – Death by Design

© DC Comics

Inzwischen müssten eigentlich alle Batman-Geschichten erzählt worden sein. Batman war ein exzentrischer Rächer der Nacht in seinen Anfängen, ein psychedelischer Abenteurer im Silver Age, ein verbitterter und aggressiver Zyniker in Frank Millers The Dark Knight Returns und wurde in der Postmoderne zu einem Amalgam all dieser Aspekte. Auch Feinde wie der Joker wurden in mehreren neuen Geschichten neu interpretiert. Welche Geschichten harren also noch ihrer Erzählung? Chip Kidd, seines Zeichens Designer (z.B. Buchcover für Haruki Murakami) und Comicbuchautor hat sie mit Batman: Death by Design gefunden, wenn auch nicht perfekt umgesetzt.

Zusammen mit Zeichner Dave Taylor nimmt er aber nicht ausschließlich den Dunklen Ritter in den Fokus, sondern primär Gotham City an sich: Die alte Wayne Central Station soll wegen Baufälligkeit abgerissen und neu aufgebaut werden, doch ein mysteriöser Kranunfall sorgt für eine Verschiebung des Vorhabens. Der noch junge Batman dieser an die Zwanziger-Jahre erinnernden Noir-Stadt bekommt es nicht nur mit dem Joker, sondern auch mit dem undurchsichtigen Exacto zu tun, der regelmäßig den Zusammenbruch von Gebäuden prophezeit. Als wäre das noch nicht genug, hat Bruce Wayne Probleme mit dem Bauherrn der neuen Central Station und muss mit dessen ebenfalls nicht ganz durchsichtigen Interessen jonglieren. Natürlich steht Exacto im Mittelpunkt all der Verwirrung und bringt Geheimnisse über Gotham und dessen ikonische Central Station ans Licht, die sowohl Batman als auch Bruce Wayne Kopfschmerzen bereiten.

Death by Design ist eine Liebeserklärung. Ein Liebeserklärung an vielerlei Dinge und Batman ist nur eines davon. Wo anfangen? Mit dem Haupdarsteller natürlich, Gotham City. Kidd und Taylor bringen eine Stadt aufs Papier, die teilweise an Fritz Langs Metropolis erinnert und gleichzeitig die Klasse alter Hollywoodstreifen besitzt. Ein baufälliger Moloch, sicher, aber ein schöner Moloch, in Szene gesetzt durch schwarzweiße Kohlestriche, die mit minz- oder orangefarbenem Licht akzentuiert werden. Gotham City ist unfertig und wild, manchmal giftig, aber dafür ein ästhetisches Ganzes. Wenn Gotham City etwas passiert, dann muss Batman eingreifen. Gleich zu Beginn stürzt er in die Tiefe, weil die Kante eines Gebäudes zu bröckeln beginnt, als würde die Stadt um Hilfe schreien. Ohne an Frank Millers borderlineartige Batman-Monologe à la this is my city zu erinnern, entsteht ein inniger Dialog zwischen der Stadt und ihrem Beschützer.

In diesem Gotham City warten die schönsten Gebäude wegen architektonischem Übermut nur darauf, in sich zusammenzubrechen. Die Eitelkeit nimmt Überhand und sowohl Bruce Wayne als auch Batman müssen auf ihre eigene Weise für Sicherheit und Vernunft im Angesicht einer Film Noir-artigen Welt sorgen. Es hilft der Geschichte, dass wir fast mehr von Bruce Wayne und seinen Bemühungen sehen, als vom Dunklen Ritter selbst. Über verschiedene Etappen sehen wir die Zusammenhänge im Bau- und Architekturbetrieb und die Korruption, die über die Realisierung von einem, nicht aber dem anderen Projekt entscheidet. Gotham City ist wohl die am Besten ausgebaute Figur in Death by Design.

Genauso hilft es, dass dieser Dunkle Ritter noch am Anfang seiner Karriere steht. Er ist Batman, oh ja, aber er stolpert, versagt und kann noch nicht die nächsten tausend Schritte seiner Gegner vorhersehen. Ein Batman, der gleichzeitig ein Playboy ist, sich in Gegenwart der schönen Cyndia Syl nicht konzentrieren kann und beim Kämpfen noch Sprüche klopft wie in seinen goldenen Anfangstagen. Es ist nicht alles düster und schwer in dieser Geschichte und das ist eine willkommene, erfrischende Abwechslung.

Aber Batman: Death by Design hat auch seine Probleme. Zum Beispiel einen Schurken, der für das Setting etwas zu fortschrittliche Technologie verfügt und einen Joker, dessen Rolle ebensogut von einem anderen Schurken hätte erfüllt werden können. Warum haben sie sich nicht auf den Propheten Exacto beschränkt und diesem dafür mehr Raum gegeben? Die Geschichte wirkt stellenweise zu auseinandergepflückt, zu wenig aufeinander abgestimmt, als sei sie nur Beiwerk zur Idee eines Comics über Gotham City an sich. Der Plot wird in die Länge gezogen und weiß die Spannung auch dank der übermäßigen Verwendung von Sprechblasen nicht so recht aufrecht zu erhalten. Ästhetisch gesehen weiß Death by Design zu beeindrucken, aber mir persönlich hätte ein reduzierterer Stil im Geiste vom ebenfalls sehr stark architekturbasierten Comic Asterios Polyp besser gefallen. So athmosphärisch Dave Taylors Zeichnungen auch sind, an der ein oder anderen Stelle kommt die Vermutung auf, dass er seinen Stil noch nicht ganz gefunden hat.

Generell kann ich Batman: Death by Design aber empfehlen. Chip Kidd, der auch die Anthologie Bat-Manga: The Secret History of Batman in Japan herausgegeben hat, liebt die Fledermaus und das ist bei seinem charmanten Batman spürbar. Nostalgie suppt aus den Seiten dieses Comics. Trotzdem bleibt er eher eine leider zu überhebliche Pionierarbeit, als das ewige Standardwerk für Gotham City – Geschichten.

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